Antrag GRÜNE: Jungenpolitische Leitlinien - Boys-Day
| Vorlage: | 19729 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 04.03.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
ANTRAG Stadtrat Klaus Stapf (GRÜNE) Stadträtin Anne Segor (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 17. Januar 2008 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 48. Plenarsitzung des Gemeinderates 11.03.2008 1302 10 öffentlich Jungenpolitische Leitlinien - Boys-Day Um starre geschlechtsspezifische Orientierungen aufzubrechen und um der zunehmenden Benachteiligung von Jungen im vorhandenen Bildungssystem entgegenzuwirken, plant die Stadt Karlsruhe eine jungenpolitische Offensive. 1. Vorbereitend werden dazu jungenpolitische Leitlinien erarbeitet. Die Leitlinien sollen - aufbauend auf vorhandene Forschungsergebnisse - konkrete Maßnahmen für alle Bereiche der kommunalen Jugendarbeit aufzeigen. Vorhandene Ansätze sollen einbezogen, neue Akteure gewonnen werden. 2. Parallel dazu wird als erste konkrete Maßnahme ein Boys-Day (am 24.April 2008) vorbereitet, bei dem Jungen in Workshops und Praktika die Möglichkeit erhalten, sich selbst in ungewohnten beruflichen Zusammenhängen und Situationen zu erfahren. Das Konzept „Gender Mainstreaminig“ fordert Chancengleichheit für beide Geschlechter in allen Lebensbereichen. Tatsache ist aber, dass sich Mädchen im Bildungsbereich besser an das vorhandene System - an Unterrichtsformen und Verhaltensvoraussetzungen - anpassen können. In Bezug auf Leseinteresse- und kompetenz haben sie eindeutig „die Nase vorn“ und sind damit in Lernentwicklung und Lernerfolg deutlich im Vorteil. Jungen dagegen sind die „Bildungsverlierer“ unserer Gesellschaft. Sie sind überproportional in Sonderschulen und als Schulabbrecher vertreten. Besonders betroffen sind Jungen aus bildungsfernen Schichten und aus Familien mit Migrationshintergrund. Sachverhalt / Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Die Vorstellung von der tradierten Rolle eines starken, überlegenen Mannes kollidiert in der Realität mit dem Versagen in der Schule und bei der erfolglosen Suche nach einer Lehrstelle. Es ist nicht verwunderlich, dass Jugendliche in einer solchen Situation ohne jede Perspektive zu Aggressivität und Gewalttätigkeit neigen. Mit einzelnen Maßnahmen ist dieser komplexen Problemlage nicht beizukommen, zumal die Kommune keinen Einfluss auf die Organisation des dreigliedrigen Schulwesens hat. Sie kann aber innerhalb kommunaler Gestaltungsbereiche bewusste Jungenförderung vorantreiben und Weichen für andere, neue Lebensentwürfe stellen. Jungenpolitische Leitlinien können die vorhandenen Aktivitäten in der Kommune bündeln und gezielt und passgenau neue Initiativen starten. Ohne auf die Ergebnisse dieser Leitlinien warten zu müssen, kann jedoch umgehend parallel zum Girls-Day an Karlsruher Schulen ein Boys-Day stattfinden. Mit Unterstützung durch das Ministerium für Arbeit und Soziales fanden bereits 2007 in vier Modellregionen solche Veranstaltungen statt. Die positiven Ergebnisse sind gut dokumentiert und wurden auf einer Fachtagung vorgestellt. Außerdem hat das Ministerium in Briefen an Frauenvertreterinnen und regionale Arbeitskreise zur Umsetzung des Girls-Day für die Durchführung eines Boys-Days in möglichst vielen Regionen und Einrichtungen geworben. Ähnlich wie Mädchen an diesem speziellen Tag Einblick in frauenuntypische Berufe erhalten, sollen den Jungen Berufe im sozialen und erzieherischen Bereich bekannt gemacht werden. Zu bedenken ist auch, dass es zukünftig im sozialen Bereich mehr niedrig- und mittelqualifizierte Arbeitsplätze geben wird, die gut von Männern besetzt werden könnten, da sie bessere Voraussetzungen für körperlich stark beanspruchende Tätigkeiten mitbringen. Außerdem ist unbestritten: Männer in Kindertageseinrichtungen und Schulen (bes. Grundschulen) wären ein Gewinn für Kinder, die fast ausschließlich von weiblichem Personal betreut werden. Auch in den Familien nehmen fast ausschließlich Mütter Elternzeit in Anspruch, oder arbeiten Teilzeit, um sich der Erziehungsarbeit zu Seite 3 __________________________________________________________________________________________ widmen. In der Erfahrungswelt der Kinder und Jugendlichen ist immer noch in den meisten Fällen der Vater der (hauptsächliche) Ernährer der Familie. Die Erfahrungen von Mädchen in technischen Berufen und von Jungen in sozialen Einrichtungen und Erziehungseinrichtungen können dazu beitragen, Eigenschaften, Begabungen zu entdecken, Interessen zu entwickeln und damit neue Perspektiven zu eröffnen, die nicht von vornherein geschlechtsspezifisch geprägt sind. unterzeichnet von: Klaus Stapf Anne Segor Hauptamt - Sitzungsdienste - 29. Februar 2008
-
Extrahierter Text
STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 17.01.2008 eingegangen: 17.01.2008 Gremium: 48. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 11.03.2008 1302 10 öffentlich Dez. 3 Jungenpolitische Leitlinien - Boys-Day - Kurzfassung - Die Stadtverwaltung Karlsruhe nimmt an dem von der Landesstiftung geförderten Projekt GeKom - Gender-Kompetenz im Kommunalen Raum - des Tübinger Institutes für Sozialfor- schung (tifs) und des Sozialwissenschaftlichen Institutes Tübingen (Sowit) teil. Die Erarbei- tung jungenpolitischer Leitlinien könnte von der Stadt noch für das Projekt vorgeschlagen werden. Derzeit sind vorgeschlagen die Überarbeitung von Förderrichtlinien sowie die Erar- beitung einer Strategie zur Erhöhung des Interesses von Jungen an Kultur. Die abschlie- ßende Entscheidung, welche Projekte im Rahmen von GeKom berücksichtigt werden, wird von den Projektverantwortlichen im April getroffen werden. Der vom Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe vorgelegte Leitfaden zur geschlechtsbezogenen Jugendarbeit könnte als Grundlage für die Entwicklung jungenpolitischer Leitlinien dienen. Der „Girls-Day“ (Mädchen-Tag) der Stadtverwaltung als Arbeitgeber war auch in der Ver- gangenheit nicht auf Mädchen beschränkt. Im Jahr 2008 ist aus zeitlichen Gründen ein um- fassender „Boys-Day“ (Jungen-Tag) nicht zu realisieren. Für das Jahr 2009 wird geprüft, ob innerhalb der Stadtverwaltung Jungen gezielt Angebote im pflegerischen und erzieherischen Bereich gemacht werden können. Die Zuständigkeit für die Umsetzung und die Verknüpfung mit entsprechenden Aktivitäten außerhalb der Stadtverwaltung muss noch geklärt werden. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ergänzende Erläuterungen: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Jungenpolitische Leitlinien Aufgrund verschiedener gesellschaftlicher Entwicklungen gibt es einen gesamtgesellschaftli- chen und -städtischen Handlungsbedarf in Richtung „Geschlechterdifferenzierung“ (gender). Die Stadtverwaltung Karlsruhe nimmt an dem von der Landesstiftung geförderten Projekt GeKom - Gender-Kompetenz im Kommunalen Raum - des Tübinger Institutes für Sozialfor- schung (tifs) und des Sozialwissenschaftlichen Institutes Tübingen (Sowit) teil. Die Erarbei- tung jungenpolitischer Leitlinien könnte von der Stadt noch für das Projekt vorgeschlagen werden. Derzeit sind vorgeschlagen die Überarbeitung von Förderrichtlinien sowie die Erar- beitung einer Strategie zur Erhöhung des Interesses von Jungen an Kultur. Die abschlie- ßende Entscheidung, welche Projekte im Rahmen von GeKom berücksichtigt werden, wird von den Projektverantwortlichen im April getroffen werden. Der vom Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe vorgelegte Leitfaden zur geschlechtsbezogenen Jugendarbeit könnte als Grundlage für die Entwicklung jungenpolitischer Leitlinien dienen. „Boys-Day“ Mit dem „Boys-Day“ (Jungen-Tag) soll das Ziel verfolgt werden, Berufe mit überwiegend weiblichen Beschäftigten (das heißt über 70 %) für Jungen ins Blickfeld zu rücken und posi- tiv darzustellen (siehe unter anderen nachahmenswerte Beispiele aus Aachen und Stutt- gart). Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um erzieherische Berufe (hier wäre auch der Bereich Schule einzubeziehen), sondern auch um andere Bereiche (wie Floristin, Friseurin etc.). Damit geht das Handlungsfeld weit über den sozialen Bereich hinaus. Eine Initiierung und Koordination vom „Boys-Day“ (Jungen-Tag) müsste demzufolge von einer übergeordne- ten Stellte erfolgen. Für eine umfassende Organisation eines „Boys-Day“ (Jungen-Tag) am 24.04.2008 ergeben sich aufgrund der Kürze der Vorbereitungszeit erhebliche Probleme. Dies gilt insbesondere, da der Aufbau eines Netzwerkes innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung (neben Sozi- al- und Jugendbehörde, Schul- und Sportamt, Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe unter anderem Personal- und Organisationsamt, Frauenbüro, Wirtschaftsförderung, Kulturamt, Städtisches Klinikum, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer) unabdingbar ist. Außerdem müsste der „Boys-Day“ (Jungen-Tag) mit dem „Girls-Day“ (Mädchen-Tag) ver- bunden und ein nachhaltiges Konzept für die folgenden Jahre entwickelt werden. Gegebe- nenfalls sollten die Mädchen und Jungen an diesem Tag schulfrei erhalten. Sowohl der Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe als auch die Sozial- und Jugendbehörde könnten bei einer Realisierung 2008 vereinzelt Jungen in ihre Arbeitsbereiche einführen oder einzelne Workshops veranstalten. Die Abteilung Kindertageseinrichtungen der Sozial- und Jugendbehörde bietet die Möglichkeit, einen Tag in einer Einrichtung mit Kindern von ein bis sechs/sieben Jahren, auf Wunsch auch im Hortbereich, zu hospitieren. Darüber hin- aus kann in der Sozial- und Jugendbehörde, insbesondere in den städtischen Kindertages- einrichtungen, das ganze Jahr über ein Einblick gewonnen werden (Berufsinformationsprak- tika für Schüler/-innen aus allen Schularten, Berufskolleg im ersten Jahr der Erzieher/- innenausbildung, Schulkindpraktika für Oberkursschüler/-innen der Erzieher/-innen- Fachschulen und der Bundeswehrfachschule). Das Staatliche Schulamt fördert jede Maßnahme, die das gegenwärtige Bildungsdefizit der männlichen Jugendlichen auszugleichen versucht. Schon seit einigen Jahren werden den Jungen an Karlsruher Haupt- und Realschulen im Rahmen des Berufswahlunterrichts alter- native Praktika zu den bekannten klassischen Männerberufen angeboten. Durch Berufser- kundungen und Schnupperpraktika in den Bereichen Erziehung, Pflege und Gesundheit werden Schülern neue berufliche Perspektiven aufgezeigt und so ihr Berufswahlspektrum erweitert. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die verpflichtende Teilnahme am Unterricht in den Fächerverbünden Wirtschaft – Arbeit – Gesundheit (HS)/Mensch und Umwelt (RS) fördern die hauswirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen der Jungen. Ebenso sollen schulinterne Projekte wie Streitschlichter, Schüler- patenschaften oder Lesepaten die sozialen und sprachlichen Kompetenzen von Jungen stärken. Außerdem bietet der Projektunterricht ab Klasse 5 vielerlei Möglichkeiten, den Schülern Perspektiven für ihre Berufs- und Lebensplanung jenseits stereotypischer männli- cher Vorstellungen zu vermitteln.