Dritter Bericht der AG Demografischer Wandel in Karlsruhe: Kleinräumige Bevölkerungsvorausrechnung der Stadt Karlsruhe 2005 - 2030
| Vorlage: | 18200 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 15.06.2007 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grötzingen, Hagsfeld, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Nordweststadt, Oberreut, Oststadt, Palmbach, Südstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt, Wolfartsweier |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 39. Plenarsitzung des Gemeinderates Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 26.06.2007 1037 5 öffentlich Dez. 2 Dritter Bericht der AG Demografischer Wandel in Karlsruhe: Kleinräumige Bevölkerungsvorausrechnung der Stadt Karlsruhe 2005 - 2030 Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 26.06.2007 5 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Nach der Vorlage eines ersten Kurzberichts zur Bevölkerungsprognose für Karlsruhe bis 2030 legt das Amt für Stadtentwicklung jetzt den detaillierten Ergebnisbericht der Bevölkerungsvorausrechnung 2005 bis 2030 auf Stadtteilebene vor. Die Auswirkun- gen der Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung wird für die ein- zelnen Stadtteile in Karlsruhe dargestellt. Unter anderem wurde analysiert, wie sich die Zahl der Kinder im Krippenalter, im Kindergartenalter, im Grundschulalter und im Alter für weiterführende Schulen verändern wird sowie bei den Senioren und Hoch- betagten, um darauf den entsprechenden Infrastrukturbedarf abzuleiten. Die Ergebnisse fließen in die weitere Arbeit der AG Demografischer Wandel ein. Der Gemeinderat nimmt von den Ergebnissen der beigelegten Studie Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 von 5 Die im September 2005 durch den Gemeinderat eingerichtete dezernatsübergreifen- de Arbeitsgruppe „Demografischer Wandel in Karlsruhe“ legt mit diesem 3. Bericht eine detaillierte Beschreibung der bisherigen Entwicklung der Karlsruher Bevölke- rung und der voraussichtlichen Entwicklung bis zum Jahr 2030 in der Gesamtstadt und in ihren 27 Stadtteilen vor. Analysiert wurde darüber hinaus die zukünftige Al- tersstruktur der Bevölkerung, die Zahl und Struktur der Privathaushalte, die Nachfra- geseite von Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Pflegeheime. Die Ergebnisse sind für alle Planungen öffentlicher und privater Träger und Organi- sationen von großer Bedeutung. Seit Mitte der 90er Jahre gewinnt Karlsruhe vorrangig durch Zuzüge an Bevölkerung, so dass die Einwohnerzahl (Haupt- und Nebenwohnsitzler) am Ende des Jahres 2006 mit 300.134 sogar erstmals die 300.000-Marke leicht überschritt. Allein in den Jahren 1995 bis 2005 sind knapp 291.000 Menschen neu nach Karlsruhe zugezo- gen. Von den Zuziehenden waren über 176.000 Deutsche und fast 115.000 Auslän- der. Im gleichen Zeitraum sind aber auch rund 271.300 Menschen aus Karlsruhe weggezogen. Damit entstand in diesem Zeitraum ein Wanderungsgewinn von ca. 19.500 Einwohnern. Die Zahl der Wohnberechtigten hat sich seit 1995 um 4,6 % erhöht. Das realistische Szenario geht davon aus, dass die Zuwanderungsgewinne aus Nord- und Ostdeutschland sowie aus dem Ausland für Karlsruhe nur noch moderat ausfallen. Nach dem realistischen Szenario wird die Bevölkerungszahl von heute rund 300.000 im Jahr 2014 ein Maximum mit rd. 306.700 Wohnberechtigten errei- chen und in der Folgezeit bis 2030 wieder leicht auf 302.000 zurückgehen. Das optimistische Szenario geht von sehr hohen Zuwanderungsgewinnen für Karls- ruhe aus. Dies führt dazu, dass die wohnberechtigte Bevölkerung bis 2019 auf ein erstes Maximum von rd. 316.500 zunimmt und anschließend auf dem erreichten ho- hen Niveau bis 2030 nahezu bei 317.500 stagniert. Im Ergebnis führen beide Szenarien zu einer Zunahme der wohnberechtigten Bevöl- kerung bis 2030 und zwar um 0,8 % (realistisches Szenario) bzw. 6 % (optimisti- sches Szenario). Damit liegen die Ergebnisse der stadteigenen Bevölkerungsprog- nose gleichauf mit den Ergebnissen der Bevölkerungsprognosen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg sowie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Die Zahl der Privathaushalte wird auch bei sinkender Bevölkerung ansteigen - bei gleichzeitiger Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße. Die Anzahl der Haushaltsverbände, die Wohnraum nachfragen, wird nach dem „realistischen Sze- nario“ bis zum Jahr 2015 gegenüber dem Jahr 2005 relativ gleichmäßig um rund 5.550 Einheiten bzw. 4 % ansteigen. Am Ende des Vorausrechnungszeitraums ist dann von etwa 149.300 Haushaltsverbänden auszugehen und damit von 7.300 Ein- heiten bzw. 5,1 % mehr als im Jahr 2005. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 von 5 Es wird in Karlsruhe, wie in anderen Großstädten Süddeutschlands auch, Verschie- bungen in den einzelnen Altersgruppen bis 2030 geben: Insbesondere die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wird nach dem realistischen Szenario um rund 2.300 bzw. 5,2 % abnehmen. Trotz des Rückgangs an Kindern und Jugendli- chen ergeben sich daraus unterschiedliche Anforderungen an die Infrastrukturein- richtungen: Unter der Prämisse, dass bis zum Jahr 2010 eine Versorgungsquote von 20 % erreicht und diese bis zum Jahr 2020 auf 40 % ausgebaut wird, ergibt sich ein erheblich steigender Bedarf an Krippenplätzen. Sowohl nach dem „realistischen“ als auch nach dem „optimistischen“ Szenario wird sich der voraussichtliche Be- darf bis 2010 mehr als verdoppeln. Das Maximum der rechnerischen Nachfrage nach Kindergartenplätzen wird beim „realistischen Szenario“ in den Jahren 2008/2009 erreicht sein. Im folgenden Jahr geht der Kindergartenbedarf wieder leicht zurück. Zwischen 2010 und 2015 wird voraussichtlich eine gewisse Konsolidierungsphase eintreten, der dann bis zum Ende des Vorausrechnungszeitraums im Jahr 2030 eine relativ stetiger Rück- gang des Kindergartenbedarfs folgt. Darüber hinaus wurden Schülerprognosen für das realistische Szenario für die einzelnen Schularten erstellt. Außerdem ist die Gruppe der jüngeren erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter zwi- schen 35 bis unter 45 Jahren durch einen Rückgang von - 8.600 (- 17 %) bzw. - 5.700 (- 11 %) je nach Szenario betroffen. Dieser Rückgang wird auf dem Arbeits- markt spürbar werden, einerseits durch einen möglichen Rückgang der Arbeitslo- senzahlen und gleichzeitig durch das Fehlen von qualifizierten Fachkräften in eini- gen Wirtschaftsbereichen. Dagegen wird die Gruppe der älteren Erwerbsfähigen im Alter von 45 bis unter 65 Jahren (+ 10 - 15 %) sowie die Gruppe der Senioren ab 65 Jahren (Plus von 7.000 bis 8.000 Personen bzw. + 13 %) und insbesondere die der Hochbetagten über 85 Jahren (Plus von rd. 2.700 Personen bzw. Plus von über 40 %) spürbar größer wer- den. In den 27 Karlsruher Stadtteilen unterscheiden sich die Entwicklungsverläufe zum Teil erheblich. Wichtigster Einflussfaktor ist hierbei die bauliche Entwicklung in den Stadtteilen. Beim realistischen Szenario ist in acht Stadtteilen mit einem deutlichen Bevölkerungswachstum zu rechnen, während in 15 Stadtteilen die Bevölkerungszahl zurückgeht. In vier Stadtteilen ist eine nahezu stagnierende Entwicklung zu erwar- ten. Eine differenzierte Betrachtung der Entwicklung der Altersstruktur lässt in ein- zelnen Stadtteilen deutliche Verschiebungen sowohl bei den Kindern und Jugendli- chen unter 18 Jahren als auch in der Altersgruppe ab 65 Jahren erwarten. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 von 5 Analog zum gesamtstädtischen Absinken der Kinderzahlen weisen 17 Stadtteile eine rückläufige Zahl unter 18-Jähriger auf. Die deutlichsten Rückgänge sind in Oberreut (- 823) und in der Nordstadt (- 738) festzustellen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung geht vor allem in den Stadtteilen zurück, in denen derzeit überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche leben. Das Beispiel Nordstadt macht diesen Prozess deutlich: Hier sind in den vergangenen Jahren viele Familien mit Kindern eingezogen. Mittlerweile ist der Zuzug weitgehend abgeschlos- sen. In den nächsten Jahren werden die Kinder und Jugendlichen älter, ohne dass in gleichem Maße weitere Kinder zuziehen bzw. geboren werden. Im Ergebnis sinkt der Anteil der unter 18-Jährigen in der Nordstadt von derzeit 24,7 % auf voraussichtlich 14,1 % im Jahr 2030. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich auch in Hohenwet- tersbach, Oberreut, Palmbach, Hagsfeld und Grötzingen ab. Mit spürbaren Zunahmen der unter 18-Jährigen ist dagegen in der Südstadt, der Weststadt, der Nordweststadt, der Oststadt, in Mühlburg und Neureut zu rechnen. Durch das Baugebiet „City Park“ liegt die Südstadt mit einem Plus von 547 Kindern an der Spitze. Dies entspricht einer Zunahme um 27,8 % gegenüber 2005. Auf der anderen Seite nimmt im Prognosezeitraum die Bevölkerung in der Alters- gruppe ab 65 Jahren in Karlsruhe um insgesamt 12,8 % bzw. rund 6.900 Personen zu. In 19 Stadtteilen steigt die Zahl der Senioren, in besonderem Maße in der Süd- stadt (+ 1.287 Personen), in der Nordstadt (+ 1.241) und in Neureut (+ 1.071). In der Weststadt, in Knielingen, Oberreut, Hagsfeld und Durlach ist jeweils mit einer Zu- nahme der Einwohner im Rentenalter um etwa 500 Personen zu rechnen. In acht Stadtteilen ist ihre Zahl dagegen rückläufig. Der Seniorenanteil an der Gesamtbevöl- kerung steigt insbesondere in den Stadtteilen stark an, in denen derzeit ein ver- gleichsweise geringer Anteil älterer Menschen lebt. Einen starken prozentualen An- stieg des Anteils von Wohnberechtigten ab 65 Jahren verzeichnen Hohenwetters- bach, Wolfartsweier und die Nordstadt. Auf der anderen Seite sinkt der Anteil älterer Menschen vor allem in Stadtteilen mit einem derzeit hohen Seniorenanteil, wie z. B. in Weiherfeld-Dammerstock. Die Zahl der pflegebedürftigen Personen wird im gesamten Vorausrechnungszeit- raum zunehmen. Während sich die rechnerische Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2005 auf etwa 7.700 Personen beläuft, wird sie bis zum Jahr 2030 auf ca. 9.040 (re- alistisches Szenario) bzw. 9.240 (optimistisches Szenario) ansteigen. In Karlsruhe ist von einem Zuwachs von 1.340 bzw. 1.540 Pflegebedürftigen gegenüber 2005 aus- zugehen. Die aus den Ergebnissen der Vorausrechnung der Bevölkerung des Amts für Stadt- entwicklung für die Gesamtstadt und ihre Stadtteile abzuleitenden Ziele, Strategien und Handlungsfelder zur aktiven Gestaltung der künftigen Wohn- und Lebensver- hältnisse, des sozialen Zusammenlebens, der Freizeit- und Kulturangebote, Infra- strukturplanung sowie der Organisation regionaler Pilotprojekte werden in der AG Demografischer Wandel entwickelt. Die Zwischenergebnisse werden dem Gemein- derat regelmäßig vorgelegt. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 von 5 Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt vom beigelegten dritten Bericht der AG Demografischer Wandel zustimmend Kenntnis. Hauptamt - Sitzungsdienste - 15. Juni 2007