Interfr. Antrag SPD, GRÜNE, KAL: Kein Insektizide-Einsatz gegen Waldmaikäfer auf Gemarkung Karlsruhe
| Vorlage: | 17358 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 17.11.2006 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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INTERFRAKTIONELLER ANTRAG SPD-Gemeinderatsfraktion GRÜNE-Gemeinderatsfraktion KAL-Gemeinderatsfraktion vom: 25.10.2006 eingegangen: 25.10.2006 Gremium: 29. Plenarsitzung des Gemeinderates Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.11.2006 856 14 öffentlich Dez. 4 Kein Insektizide-Einsatz gegen Waldmaikäfer auf Gemarkung Karlsruhe Stellungnahme des Bürgermeisteramtes - Kurzfassung - Die Stadt und die untere Forstbehörde treten schon bisher für eine Vermeidung eines Isekti- zideinsatzes ein. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 von 3 Zu 1: Auf stadteigenen Waldflächen ist 2007 kein Insektizid-Einsatz gegen Maikäfer vorgese- hen. Die Stadtwaldflächen liegen nicht im Massenvermehrungs-Gebiet des Maikäfers. Lediglich im Oberreuter Hardtwald ist ein Maikäfer-Flug in geringem Umfang zu erwar- ten. Die Ergebnisse der Probegrabungen 2005 nach Engerlingen lagen hier jedoch un- ter den kritischen Werten. Die Ergebnisse der Probegrabungen 2006 liegen noch nicht vor. Zu 2: Die Stadt und die Untere Forstbehörde sind schon bisher dafür eingetreten, dass im Staatswald auf Gemarkung Karlsruhe (Hardtwald) ein Insektizideinsatz möglichst ver- mieden wird bzw. sehr restriktiv zu handhaben ist. Es muss eine äußerst sorgfältige Abwägung getroffen werden zwischen der Gefährdung des Waldes durch Maikäfer bzw. Engerlinge und einer evtl. notwendigen Bekämpfung mit Insektiziden einerseits und den anderen wichtigen Waldfunktionen wie Natur- und Artenschutz (FFH-Gebiet), Erholung, Wasserschutz andererseits. Die notwendigen Voruntersuchungen für eine mögliche Maikäfer-Bekämpfung im Hardtwald 2007 laufen derzeit, es ist damit zu rechnen, dass noch im November eine mögliche Gebietskulisse für eine Bekämpfung vorgestellt wird. Diese wird dann intensiv mit den Beteiligten, insbesondere auch mit dem amtlichen und privaten Naturschutz abgestimmt. Derzeit ist aufgrund der bisherigen Informationen davon auszugehen, dass im Hardt- wald auf städtischer Gemarkung zumindest südlich der L 604, vermutlich auch südlich des Pfinzentlastungskanals keine sinnvollen, d.h. wirksamen Bekämpfungsflächen zur Ausbringung von Insektiziden vorhanden sind. Die Restriktionen durch den Artenschutz (Vorkommen von Alteichen) und die intensive Erholungsnutzung sind auf großer Fläche vorrangig. Es muss deshalb allerdings auch in diesem Gebiet in Kauf genommen werden, dass die Schäden durch Engerlinge weiter zunehmen! Zusammen mit anderen Faktoren (Klima- entwicklung) ist die Vitalität des Hardtwaldes zunehmend kritisch zu sehen. Besonders die Verjüngung von Laubbäumen, insbesondere der Eiche ist nur noch sehr einge- schränkt oder mit extrem hohen Kosten möglich. - 3 - Zu 3: Die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Maikäfer im Hardtwald und die Kartierung von Schadensflächen werden schon seit Jahren durch die Forstliche Ver- suchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) durchgeführt. Bei bisher durchgeführten Bekämpfungs-Maßnahmen erfolgten umfangreiche Begleituntersuchun- gen. Die Ergebnisse sind veröffentlicht. Falls 2007 eine Bekämpfungsaktion stattfinden wird, wird diese natürlich wieder durch die FVA intensiv begleitet. Zu 4: Die Untere Forstbehörde hat in der Sitzung des Ausschuss für öffentliche Einrichtungen am 10.11.2006 über die Maikäfer-Situation berichtet. Naturnahe waldbauliche Maß- nahmen zum Umgang mit der Maikäferpopulation sind leider nicht bekannt, sonst wären diese statt der Bekämpfung mit Insektiziden längst umgesetzt worden. Im Rahmen des integrierten Waldschutzes ist der Einsatz von Insektiziden die allerletzte Möglichkeit, wenn alle anderen Chancen nicht zum Ziel führen. Gerade durch die hohe Maikäfer- Population wird die Umstellung auf einen möglichst naturnahen Waldbau mit mehr Laubbäumen im Hardtwald verhindert. Welches letztendlich die Ursachen fehlender, unzureichender oder wieder absterbender Naturverjüngung sind, kann gerne mit Vertretern von Naturschutz-Verbänden im Aus- schuss besprochen werden. Natürlich spielen dabei auch andere Faktoren wie schlech- ter Standort, mangelnde (Grund-)wasserversorgung oder auch Neophyten wie die Spätblühende Traubenkirsche eine Rolle. Dies sollte jedoch am konkreten Waldobjekt nach Vorliegen der Ergebnisse der diesjäh- rigen Probegrabungen nach Engerlingen erfolgen.
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INTERFRAKTIONELLER ANTRAG SPD-Gemeinderatsfraktion GRÜNE-Gemeinderatsfraktion KAL-Gemeinderatsfraktion vom: 25.10.2006 eingegangen: 25.10.2006 Gremium: 29. Plenarsitzung des Gemeinderates Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.11.2006 856 14 öffentlich Dez. 4 Kein Insektizide-Einsatz gegen Waldmaikäfer auf Gemarkung Karlsruhe Stellungnahme des Bürgermeisteramtes - Kurzfassung - Die Stadt und die untere Forstbehörde treten schon bisher für eine Vermeidung eines Isekti- zideinsatzes ein. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 von 3 Zu 1: Auf stadteigenen Waldflächen ist 2007 kein Insektizid-Einsatz gegen Maikäfer vorgese- hen. Die Stadtwaldflächen liegen nicht im Massenvermehrungs-Gebiet des Maikäfers. Lediglich im Oberreuter Hardtwald ist ein Maikäfer-Flug in geringem Umfang zu erwar- ten. Die Ergebnisse der Probegrabungen 2005 nach Engerlingen lagen hier jedoch un- ter den kritischen Werten. Die Ergebnisse der Probegrabungen 2006 liegen noch nicht vor. Zu 2: Die Stadt und die Untere Forstbehörde sind schon bisher dafür eingetreten, dass im Staatswald auf Gemarkung Karlsruhe (Hardtwald) ein Insektizideinsatz möglichst ver- mieden wird bzw. sehr restriktiv zu handhaben ist. Es muss eine äußerst sorgfältige Abwägung getroffen werden zwischen der Gefährdung des Waldes durch Maikäfer bzw. Engerlinge und einer evtl. notwendigen Bekämpfung mit Insektiziden einerseits und den anderen wichtigen Waldfunktionen wie Natur- und Artenschutz (FFH-Gebiet), Erholung, Wasserschutz andererseits. Die notwendigen Voruntersuchungen für eine mögliche Maikäfer-Bekämpfung im Hardtwald 2007 laufen derzeit, es ist damit zu rechnen, dass noch im November eine mögliche Gebietskulisse für eine Bekämpfung vorgestellt wird. Diese wird dann intensiv mit den Beteiligten, insbesondere auch mit dem amtlichen und privaten Naturschutz abgestimmt. Derzeit ist aufgrund der bisherigen Informationen davon auszugehen, dass im Hardt- wald auf städtischer Gemarkung zumindest südlich der L 604, vermutlich auch südlich des Pfinzentlastungskanals keine sinnvollen, d.h. wirksamen Bekämpfungsflächen zur Ausbringung von Insektiziden vorhanden sind. Die Restriktionen durch den Artenschutz (Vorkommen von Alteichen) und die intensive Erholungsnutzung sind auf großer Fläche vorrangig. Es muss deshalb allerdings auch in diesem Gebiet in Kauf genommen werden, dass die Schäden durch Engerlinge weiter zunehmen! Zusammen mit anderen Faktoren (Klima- entwicklung) ist die Vitalität des Hardtwaldes zunehmend kritisch zu sehen. Besonders die Verjüngung von Laubbäumen, insbesondere der Eiche ist nur noch sehr einge- schränkt oder mit extrem hohen Kosten möglich. - 3 - Zu 3: Die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Maikäfer im Hardtwald und die Kartierung von Schadensflächen werden schon seit Jahren durch die Forstliche Ver- suchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) durchgeführt. Bei bisher durchgeführten Bekämpfungs-Maßnahmen erfolgten umfangreiche Begleituntersuchun- gen. Die Ergebnisse sind veröffentlicht. Falls 2007 eine Bekämpfungsaktion stattfinden wird, wird diese natürlich wieder durch die FVA intensiv begleitet. Zu 4: Die Untere Forstbehörde hat in der Sitzung des Ausschuss für öffentliche Einrichtungen am 10.11.2006 über die Maikäfer-Situation berichtet. Naturnahe waldbauliche Maß- nahmen zum Umgang mit der Maikäferpopulation sind leider nicht bekannt, sonst wären diese statt der Bekämpfung mit Insektiziden längst umgesetzt worden. Im Rahmen des integrierten Waldschutzes ist der Einsatz von Insektiziden die allerletzte Möglichkeit, wenn alle anderen Chancen nicht zum Ziel führen. Gerade durch die hohe Maikäfer- Population wird die Umstellung auf einen möglichst naturnahen Waldbau mit mehr Laubbäumen im Hardtwald verhindert. Welches letztendlich die Ursachen fehlender, unzureichender oder wieder absterbender Naturverjüngung sind, kann gerne mit Vertretern von Naturschutz-Verbänden im Aus- schuss besprochen werden. Natürlich spielen dabei auch andere Faktoren wie schlech- ter Standort, mangelnde (Grund-)wasserversorgung oder auch Neophyten wie die Spätblühende Traubenkirsche eine Rolle. Dies sollte jedoch am konkreten Waldobjekt nach Vorliegen der Ergebnisse der diesjäh- rigen Probegrabungen nach Engerlingen erfolgen.
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29. ÖFFENTLICHE PLENARSITZUNG DES GEMEINDERATES AM 21. NOVEMBER 2006 Vorlage Nr. 856 ANTRAG Zu TOP 14 ------------------------------------------ I N T E R F R A K T I O N E L L E R A N T R A G der Stadträtin Doris Baitinger und des Stadtrats Thomas Müllerschön (SPD) sowie der SPD-Gemeinderatsfraktion, des Stadtrats Klaus Stapf und der Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) sowie der GRÜNE-Gemeinderatsfraktion, der Stadträte Lüppo Cramer und Dr. Eberhard Fischer (KAL) sowie der KAL-Gemeinderatsfraktion vom 25. Oktober 2006 Kein Insektizide-Einsatz gegen Waldmaikäfer auf Gemarkung Karlsruhe 1. Die Stadt Karlsruhe setzt 2007 auf stadteigenen, bewaldeten Flächen keine Insektizide gegen Waldmaikäfer ein. 2. Die Stadt Karlsruhe tritt bei den zuständigen Behörden dafür ein, dass auf bewaldeten Flächen der Gemarkung Karlsruhe 2007 kein Insektizideinsatz gegen Waldmaikäfer durchgeführt wird. 3. Die Stadt Karlsruhe beauftragt die Untere Forstbehörde, eine Vorher-Nachher-Untersuchung durchzuführen und ausgewählte Flächen zu dokumentieren: aktueller Zustand von mit Engerlingen hoch belasteten Flächen und Zustand in den nächsten drei Jahren (Erfassung in Bildern und Tabellen) 4. Die Stadt Karlsruhe beauftragt die Untere Forstbehörde, über die aktuelle Verbreitung des Waldmaikäfers auf bewaldeten Flächen der Karlsruher Gemarkung zu berichten und naturnahe waldbauliche Maßnahmen zum Umgang mit der Maikäferpopulation aufzuzeigen. Im zuständigen Ausschuss stellen Fachleute aus den Reihen der Naturschutzverbände zudem ihre Erkenntnisse über Ursachen der fehlenden Naturverjüngung vor. Begründung / Sachverhalt Derzeit plant die Landesforstverwaltung den flächigen Einsatz unspezifisch wirksamer Insektizide im Hardtwald für das Frühjahr 2007. Aufgrund der besonderen Bedeutung des Hardtwalds als FFH-Gebiet und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie als Erholungsgebiet und als Standort eines Wasserwerks ist ein solcher Insektizideinsatz abzulehnen. Der geplante Einsatz unspezifisch wirksamer Insektizide widerspricht den Grundsätzen einer naturnahen Waldbewirtschaftung. Insbesondere lassen sich derartige Pestizideinsätze nicht mit dem Ziel des Erhalts bzw. der Entwicklung naturnaher Waldbestände im FFH-Gebiet vereinbaren. Für die fehlende Naturverjüngung und den schlechten Zustand vieler Eichen werden zudem von Naturschutzexperten Gründe wie Neophyten und Grundwasserabsenkungen genannt. gez. Doris Baitinger gez. Thomas Müllerschön gez. Klaus Stapf gez. Bettina Lisbach gez. Lüppo Cramer gez. Dr. Eberhard Fischer Hauptamt - Sitzungsdienste - 10. November 2006 Stellungnahme